Sarajevo war von April 1992 bis Februar 1996 belagert – 1.425 Tage, länger als die Belagerung von Stalingrad. Ca. 13.952 Menschen starben, davon ca. 5.434 Zivilisten. Die Stadt wurde eingeschlossen, beschossen und verhungert, während die Welt zuschaute. Die Narben sind nicht verblasst – sie sind Teil des Stadtbildes, des Alltags und jedes Gesprächs mit Menschen, die die Belagerung erlebt haben.
Kriegstourismus in Sarajevo ist kein Nischenthema. Die Stadt dokumentiert ihre Geschichte offen und professionell. Die Museen und Gedenkstätten sind von höchster Qualität – sie erfordern emotionale Bereitschaft, kein Vorwissen.
Tunnel der Hoffnung (Tunel Spasa)
Der Tunnel der Hoffnung ist das wichtigste Einzeldenkmal der Belagerung. Der 800 m lange Tunnel unter dem Flughafen von Butmir war von 1993 bis 1995 die einzige Verbindung der Stadt zur Außenwelt. Durch den 1,6 m hohen und 1 m breiten Gang wurden täglich Nahrungsmittel, Medikamente, Waffen und Menschen transportiert.
Ein Teil des ursprünglichen Tunnels ist erhalten und begehbar. Das Museum zeigt Originalausrüstung, historische Aufnahmen und Interviews mit Überlebenden.
- Eintritt: Ca. 10 BAM (ca. 5 €, Stand 2026)
- Öffnungszeiten: Täglich 09:00–17:00, im Sommer (ca. Mai–Oktober) bis 20:00
- Lage: Tuneli 1, Butmir – ca. 6 km vom Stadtzentrum
- Anfahrt: Taxi ca. 15–20 BAM (7,50–10 €) vom Zentrum; Tram 3 bis Ilidža, dann Minibuslinie
- Empfohlene Dauer: 1–1,5 Stunden
- Audioguide: Verfügbar in mehreren Sprachen
- Tipp: Der Tunnel liegt direkt neben der aktiven Flughafenrollbahn – Flugzeuge fliegen knapp oberhalb beim Landeanflug vorbei
War Childhood Museum (Muzej ratnog djetinjstva)
Das War Childhood Museum öffnete 2017 in Logavina 32 und gewann 2018 den Europarats-Museumspreis. Die Ausstellung basiert auf persönlichen Gegenständen und kurzen Texten von Menschen, die die Belagerung als Kinder erlebt haben. Kein Kontext wird erklärt – die Objekte sprechen für sich: ein Paar Kinderschuhe, ein Schulheft, ein Stofftier.
- Eintritt: Ca. 7 BAM (ca. 3,50 €, Stand 2026)
- Öffnungszeiten: Täglich 10:00–18:00
- Lage: Logavina 32 – ca. 15 Minuten zu Fuß von der Baščaršija
- Empfohlene Dauer: 1–1,5 Stunden
- Hinweis: Das Museum ist emotional intensiv. Viele Besucher brauchen mehr Zeit als geplant.
Galerie 11/07/95
Die Galerie 11/07/95 dokumentiert das Srebrenica-Massaker vom Juli 1995, bei dem ca. 8.000 bosnisch-muslimische Männer und Jungen von serbischen Streitkräften ermordet wurden. Die Ausstellung kombiniert großformatige Fotografien, Videoinstallationen und Zeugenaussagen.
- Eintritt: Ca. 5 BAM (ca. 2,50 €, Stand 2026)
- Öffnungszeiten: Täglich 10:00–18:00
- Lage: Mula Mustafe Bašeskije 11 – Centar, nahe der Baščaršija
- Empfohlene Dauer: 1–2 Stunden
Historisches Museum Bosnien-Herzegowina
Das Historische Museum bietet eine permanente Ausstellung über die Belagerung Sarajevos mit Originalartikeln aus dem Alltag der Belagerungszeit: Öfen aus Konservendosen, selbstgebaute Kerzen, rationierte Nahrungsmittel.
- Eintritt: Ca. 3 BAM (ca. 1,50 €, Stand 2026)
- Öffnungszeiten: Mo–Fr 09:00–17:00, Sa/So 10:00–15:00
- Lage: Zmaja od Bosne 5 – direkt an der Sniper Alley
Sniper Alley (Zmaja od Bosne)
Sniper Alley ist heute eine normale Stadtstraße entlang des Miljacka-Flusses zwischen Baščaršija und Marijin Dvor. Während der Belagerung waren Heckenschützen in den umliegenden Hochhäusern stationiert und schossen auf Zivilisten, die versuchten, die Straße zu überqueren.
- Eintritt: Kostenlos (öffentliche Straße)
- Was zu sehen: Die Gebäude an beiden Straßenseiten tragen noch immer Einschusslöcher – viele wurden nie restauriert
- Tipp: Ein geführter Kriegsgeschichte-Spaziergang macht die Geographie der Belagerung greifbar. Ohne Guide ist die Bedeutung der Straße von außen nicht erkennbar.
Sarajevo-Rosen
„Sarajevo-Rosen” sind Granateinschlagspuren in Bürgersteigen und Straßen, die mit rotem Harz ausgegossen wurden. Ca. 150 dieser Markierungen existieren im Stadtgebiet – sie bezeichnen Orte, an denen Granaten Menschen getötet haben.
- Eintritt: Kostenlos
- Wo: Vor allem entlang der Ferhadija, Tito-Straße und im Bereich Markale-Markt
- Hinweis: Nicht alle Einschlagspuren wurden als Sarajevo-Rosen markiert
Srebrenica-Potočari-Gedenkstätte (Tagesausflug)
Die Srebrenica-Potočari-Gedenkstätte liegt ca. 120 km nordöstlich von Sarajevo. Das Gelände enthält das Memorial Center, Massengräber und den Friedhof, auf dem die bisher identifizierten Opfer bestattet sind. Jedes Jahr am 11. Juli findet die offizielle Gedenkfeier statt.
- Eintritt: Kostenlos (Gedenkstätte), ca. 5 BAM (2,50 €) für das Memorial Center
- Geführte Touren von Sarajevo: Ca. 60–90 BAM (30–45 €) pro Person, 8–10 Stunden
- Mit eigenem Auto: Ca. 2 Stunden Fahrt, Parkplatz vorhanden
- Öffnungszeiten Memorial Center: Täglich 09:00–17:00
Wir empfehlen, einen geführten Tagesausflug zu buchen – ein lokaler Guide erklärt den historischen Kontext in einer Tiefe, die kein Reiseführer ersetzen kann.
Übersicht: Kriegsgeschichte-Sehenswürdigkeiten Sarajevo
| Ort | Eintritt (BAM) | Öffnungszeiten | Dauer |
|---|---|---|---|
| Tunnel der Hoffnung | Ca. 10 | 09:00–17:00 (Sommer bis 20:00) | 1–1,5 h |
| War Childhood Museum | Ca. 7 | 10:00–18:00 | 1–1,5 h |
| Galerie 11/07/95 | Ca. 5 | 10:00–18:00 | 1–2 h |
| Historisches Museum BH | Ca. 3 | Mo–Fr 09:00–17:00 | 1 h |
| Sarajevo-Rosen (Straße) | Kostenlos | Immer | 30 min |
| Srebrenica Gedenkstätte | Kostenlos/5 | 09:00–17:00 | Halbtag–Ganztag |
Geführte Touren
Geführte Kriegsgeschichte-Touren in Sarajevo decken Tunnel der Hoffnung, Sniper Alley, Sarajevo-Rosen und Vijećnica in zwei bis vier Stunden ab.
- Städtische Walking Tour (Kriegsgeschichte): Ca. 20–30 BAM (10–15 €) pro Person
- Private Führung: Ca. 80–150 BAM (40–75 €) für eine Gruppe
- Kombination Stadtführung + Tunnel: Ca. 40–60 BAM (20–30 €) pro Person
Touren können über GetYourGuide gebucht werden.
Praktische Hinweise
Emotionale Vorbereitung: Die Museen und Gedenkstätten in Sarajevo sind von außergewöhnlicher Qualität – und entsprechend intensiv. Wer empfindlich auf Gewaltdarstellungen oder Zeugenberichte reagiert, sollte das vor dem Besuch berücksichtigen.
Fotoregeln: Im Tunnel der Hoffnung und in den Museen gelten Fotoregeln – Hinweisschilder vor Ort beachten. Auf dem Srebrenica-Friedhof ist Fotografieren respektvoll und erlaubt; auf den Gräbern nicht.
Gesprächsführung: Viele Sarajewo-Einwohner haben die Belagerung persönlich erlebt. Das Thema wird offen diskutiert, aber mit persönlicher Betroffenheit. Respektvoller Umgang ist selbstverständlich.
Kombination mit Sehenswürdigkeiten: Kriegsgeschichte und kulturelle Sehenswürdigkeiten lassen sich gut kombinieren – Baščaršija, Gazi-Husrev-Beg-Moschee und Lateiner Brücke liegen in kurzer Gehweite voneinander und von den Kriegsmuseen.